Gerade scrolle ich so zurück hier auf dieser Homepage oder wie man da sagt, durchstöbere die Blogeinträge und natürlich scrolle ich so auch irgendwie die Zeit ein wenig zurück
–If I could turn back time- aber das will doch auch keiner, oder?
Trotz aller Nostalgie die einen zu erfassen pflegt wenn Abschiede nahen ist es wohl meistens gut, dass es weitergeht, wenn auch vielleicht in eine ganz andere Richtung.
Was ich beim scrollen so entdecke ist der erste Eintrag aus Cadi’ und eine wirklich treffsichere Blitzdiagnose meinerseits: Der shit hier, heisst es sinngemäß, ist genau mein Ding!
Wie wahr! Noch wahrer als ich dachte! Denn wirklich, dieses gottverdammte Cádiz gefällt mir jeden Tag besser und heute, an meinem letzten Tag, gefällt es mir am Besten !
Es schmerzt schon ein wenig gehen zu müssen.
Cádi’ ist eine Stadt zum Verlieben, in die du dich verlieben musst wenn du nicht vollkommen verrückt bist! Eine Schönheit die dir sofort den Kopf verdreht, die dich mit jedem Tag an dem du sie besser kennen- und verstehen lernst mehr fasziniert.
Eine Stadt mit Haken und Ösen zwar, Ecken und Kanten, Tattoos und Piercings, nicht glatt und nicht aalig, teilweise zahnlos mit prekären Gerüchen, den lautesten Flüchen, aber wenn dich hier einer „cabron“ ruft, mit Lächeln auf der Lippe, dann fühlst du dich geehrt!
Und auch wenn du vielleicht ahnst, dass du niemals Einer von Ihnen sein wirst, und dass wenn du genau überlegst das auch gar nicht willst, dann weißt du auch, dass es das Schlechteste nicht wär, hier durch die Gassen zu ziehen, pfeifend, singend, klatschend; stehen zu bleiben wann du willst und zu schnacken über Nichts, auf dem Weg zu deiner Bar wo die anderen alten Seebären ihre Zoten dreschen und ihre „Cruzcampos“ bechern.
Cadi’ ist sicher kein Paradies, mit einer der höchsten Arbeitslosenquoten Europas, und ich weiß nicht ab wie vielen Cruzcampos pro Tag man von Alkoholismus sprechen muss, aber für die Leute hier ist es Alles, ihr Paradies, der perfekte Ort, und irgendwie kannst du die Leute, deren limitierte Perspektive du belächeltest, so langsam verstehen, was ziemlich unheimlich ist....
Kleiner Break: Lise hat gekocht...ein Fisch- „surtido“ gabs’s: Lachs, Schwertfisch, Atun, heut morgen auf dem Markt gekauft- wirklich fantastisch...und mir tun alle Fischverschmäher leid und ich tu mir leid, da es das bald nicht mehr gibt für mich, höchstens sau teuer, viereckig und zu Stein gefroren.
Wirklich schade.
„ Un poco de perejil porfavor!“
- leck mich am Arsch-
dieses Marktding ist derart von so was von genau mein Ding; schön Schlender Modus, gucken, kaufen- stilvoll einkaufen- statt mit dem Auto zum NaziLidl zu fahren um 1, 50 Euro Hackfleisch zu kaufen und es bleibt die Frage in wieweit es zuhause möglich ist das wenigstens im weitesten Sinne fortzuführen..
Oh, ich hoffe wirklich nicht komplett wieder in den alten Trott zu verfallen, nicht zu träge zu werden, mir die Nische zu suchen in meiner Heimat. Denn jetzt, im Unterschied zu vorher, weiß ich, dass es auch anders geht als bei uns, hab was Anderes gesehen, einen anderen way of Life....und es hat mir gefallen. Und ich bin in skeptischer Erwartung mein „Vaterland“ neu kennenzulernen. Sind wirklich alle so frio, so kalt, so unentspannt, so unfreundlich, so grau?
Bullshit! Ich weiß, dass es nicht so ist, weil fast alle netten Leute die ich kenne aus Deutschland kommen, Deutschland mein Land ist, dass ich hier mit Worten verteidigt habe, gegen die üblichen Vorurteile und Anfeindungen aus aller Lande , da lass ich mir nix erzählen, aber ganz ehrlich...ein bisschen was rausholen könnte man schon auch noch, oder?
Ich fordere: mehr Hupen (egal wie das klingt..) mehr Brüllen, mehr an Plätzen abhängen, spontanes Singen, und besseres Wetter!
Wie dem auch sei...ich habe hier ein Jahr gehabt was mich auf jeden Fall nachhaltig geprägt haben wird, was ich nie vergessen werde...und auch wenn ich finde, dass man mit oft gehörten Äußerungen a la „ el mejor ano de tu vida/ das beste Jahr deines Lebens“ sparsam sein sollte ( insbesondere am Ende jenen Jahres....) muss ich feststellen: zumindest ein besseres Jahr hab ich nicht gehabt!
In priviligierter Situation, ohne viel leisten zu müssen, gut handlebare universitäre oder sonstige Verpflichtungen, viele Leute, viele Fiestas, viel Cruzcampo, Remmidemmi, ruhige Kugel, relajado, Meer, Strand, feine Speisen, kleine Reisen- ein neues Leben abseits der Routine in einer kleinen ERASMUS Scheinwelt, aber alt und weise genug um dem Schein nur so weit zu trauen wie er nicht trügt;
So leicht konnte mich alten Hasen niemand vor den Kopf stoßen wie manch kleines ERASMUS Mädchen das plötzlich dann merkt dass ja gar nicht alle beste Freunde sind und es tatsächlich arg oberflächlich zugeht innerhalb der internationalen Studentenschaft.....na so was....und da hast du nur ein halbes Jahr für gebraucht?
700 Freunde braucht kein Mensch, aber so einige Leute die mir was bedeuten hab ich hier schon kennengelernt.
Die nächsten Städtetouren und Reisen durch Deutschland und Europa sind auf jeden Fall schon fest eingeplant!
Naja, mein ofizielles „Erasmus“- Jahr ist ja schon etwas länger vorbei, seit Ende Juni, und die Zeit die ich danach noch hiergeblieben bin war sehr kostbar, weil ich alles noch einmal in Ruhe genießen konnte, meinen besonderen Alltag hier, ohne die triste Abschiedsstimmung die aufkam als die meisten anderen schon gingen, mit dem Blick für das Schöne das schon Normalität geworden war:
Die kleinen Gassen mit ihren abgehalfterten Häusern aus denen laute Stimmen dröhnen, das Meer, was hier das Leben mitgestaltet, durch seinen salzigen Winde, seine Wogen die an die Ufer des stolzen Cádiz schwappen, seine wohlschmeckenden Bewohner und natürlich durch den „playita“ - den gröten Freizeitfaktor hier, der alles ersetzt, die Parks und Wiesen, die Glotze und die Playstation.
Mein Gott Leute, es reicht, ihr glaubt mir dass ich es hier schön finde, oder?
Ich danke euch allen für die Aufmerksamkeit und das feedback, vielleicht werde ich den Blog fortführen, noch niedrigfrequenter sicher, aber mal schauen....
Außerdem Danke, an alle meine (und unsere) Gäste, es war wirklich der Hammer dass ihr da ward!
Naja was bleibt zu sagen...I’m coming home ....
Te quiero Cádi! Hasta luego
Linus
6 Kommentare:
Hut ab!
El comandante del palabra :D
genießt eure Rückreise!
Willkommen bist du allemal hier!
Michael
Muchas gracias a ustedes!
Auch wenn du deine zwischenzeitliche Heimat wieder verlassen musstest, freut sich Deutschland auch wieder auf dich!
Gute Rückreise und bis bald in Treves, in Gießen oder in Köln.
Die Axt: bien dicho....aber warum es der schönste Anus deines Lebens war verstehe ich nicht so ganz....schon scheisse wenn die ñ Taste immer fehlt, ne?
Du wirst Plaza Linu fehlen!
Grandioser Blog & herzliches Wiedersehen bald, Dr. Linusopoulos!
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